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Jean-Claude Dysli

GABI SCHÜRMANN

 

Mein Name ist Gabi Schürmann, geboren bin ich 1955 in einer Tennis- und Fussballfamilie und ich habe mir meine ersten Reitstunden hart erkämpft und erspart. Dass mich Manne aufgefordert hat, hier zu schreiben, ehrt mich sehr. Ich habe lange gebraucht, um auf den richtigen Pfad zu kommen. Aber so ist das eben im Leben, manchmal muss mal erst ein gewisses Alter erreichen, um Dinge zu begreifen. Wie sagte doch Gerd Heuschmann: Reiten lernste erst ab 40, vorher fehlt Dir die Ruhe!

 

Meine Balance:

Obwohl ich mich in meinen nun bald 60 Jahren viel engagiert habe, so manche Stunde mit ehrenamtlicher Tätigkeit verbrachte, kann ich durchaus sagen, dass ich immer die Ausgewogenheit zwischen Anspannung und Ruhe gefunden habe, obwohl viele die mich kennen von mir sagen, ich würde immer unter Strom stehen. Aber ich erkannte stets wann es Zeit war inne zu halten. Und es gab viele Momente an die ich mich erinnere: als Jean-Claude in Lauterbach nach der Mittagspause in der frisch planierten Halle erschien und sofort nach dem Aufsteigen begann, rückwärts eine Acht zu reiten. Wir standen mit offenem Mund da und staunten, einige applaudierten, es war einer der Augenblicke, wo ich heute noch Gänsehaut bekomme, wenn ich nur daran denke. Er aber stieg ab und deutete auf einen Punkt auf seiner Acht, und meinte, dass er da wohl etwas aus der Spur geraten sei. Wohlgemerkt er und nicht Okie. So war er eben, in gewisser Weise ein Perfektionist und das glaube ich, war auch der Grund, warum er nach der Pensionierung von seinem Partner Okie nicht mehr so zu recht kam. Es fehlte die andere Hälfte. Und zur Balance benötigt man zwei Hälften.

 

Mein Gefühl:

Man muss sich vorstellen, dass es ja Ende der 80iger nicht diese vernetzte Kommunikation hatte wie heute, da ging noch alles etwas anders….Es gab ein paar JCD-Anhänger, die sich alle eigentlich nach seinem Auftritt auf der Americana 1988 gefunden hatten und nun die VHS Kassetten der „lässigen Eleganz“ rauf und runter „beten“ konnten. Und so traf man sich zum geselligen Beisammensein mit einem Videorecorder, einem Sägebock, auf dem ein Westernsattel lag und so übten wir trocken, was uns der Meister empfahl. Wechselnd nahmen wir auf dem Sattel Platz und rutschten rüber und nüber, um optimal das Gewicht zu verteilen, das man für den Angalopp oder den Rollback brauchte. Jahre später erzählten wir Jean-Claude von unseren Übungen, der kam aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Uns war es auf jeden Fall damit sehr ernst, wir wollten das richtig erlernen.

 

Wer Jean-Claude gut kannte, wusste die Kommentare auf den Kursen richtig einzuschätzen: da gab es das „das klappt ja schon ganz gut“ über „gut, das reicht“ und dann für diejenigen, die mit ausgebildeten, abgerichteten Pferden kamen und meinten, sie könnten alles, das überschwängliche Lob, weil er wusste, er könne da eh nichts ändern. Manchmal kam es vor, dass einer auf dem Zirkel galoppierte und Jean-Claude sich im Erzählen von Geschichten aus alten Zeiten verstieg und den armen Schüler in seiner X-ten Runde ganz vergaß. Ich habe extrem lange gebraucht, um im Galopp locker zu sitzen, ich hatte immer die Beine dran und zu weit hinten. Sein Kommentar war immer „die Gabi sitzt gut, aber man sieht immer noch, dass sie mal englisch geritten ist“. Erst vor einigen Jahren kam ein knappes „Na Du hast es ja doch noch gelernt“ – Mann war ich stolz! Ehrliche Komplimente konnte man erfühlen und richtig einordnen!

 

 

Als ich Gerd Heuschmann kennen lernte, war mir sofort klar, dass diese beiden auf einer Wellenlänge lagen. Mein Gefühl sagte mir, obwohl ihre Ansätze verschieden waren, ihr Ziel war ein gemeinsames. Und so kam es auf meine Initiative und der Organisation von Isabella Sonntag zum Treffen der beiden in Schwaiganger. 2012 trafen sich die beiden innerhalb der Veranstaltungsreihe „Der Roundpen im Viereck“ in Riem wieder. Unterstützt von Bernd Hackl war es ein wunderbarer Tag. Ein unvergesslicher Augenblick. Mein Versuch die Menschen vom Schleifensammler zum Momentensammler zu verändern, fand hier seinen Höhepunkt.

 

 

Mein Timing:

Wie heißt dazu so schön bei Wikipedia: (optimale) zeitliche Abstimmung zweier Aktionen oder Ereignisse. Ja das war es wirklich! 1980 erstes eigene Pferd, 1983 Umstieg auf eine hann. Schimmelstute, Einstieg in den ländlichen Dressursport, erste Erfolge in A und L, auf dem Weg zur LK 3. Dann ein Break, da die Stute mit 8 Jahren sowohl Spat als auch Hufrolle hatte. In dieser Zeit erfolgte eine Neuorientierung. 1987 stellte ich fest, dass Reiten nicht nur aus dem Weg vom Stall in die Halle besteht. Und dann 1988 Besuch der Americana in der Münchner Olympiahalle (ich hatte bereits 15 Jahre Reiterleben hinter mir), habe das erste Mal Jean-Claude reiten sehen und bin mit fliegenden Fahnen zum Westernreiten gewechselt. Man stelle sich vor: ich als Dressurreiter habe am nächsten Tag das Sparbuch geplündert, einen Westernsattel und ein Pad gekauft und auf meine lange Oldenburger Stute gelegt. Von nun an ritt ich „anders“. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und vor allem Jean-Claude war da. Ich sah zum ersten Mal, dass man nicht zerren muss, um ein Pferd um die Ecke zu reiten. Vor 30 Jahren sprach man noch nicht von Rollkur aber es gab schon seinerzeit schlechte Bilder auf den Abreiteplätzen. Und gefühlsmäßig wusste ich damals schon, dass es nicht richtig war. Aber noch nie hatte es einer so direkt angesprochen wie Jean-Claude.

 

Lieber Jean-Claude, ich persönlich hätte nie behauptet, ich wäre mit Dir befreundet gewesen. Dazu warst Du zu prominent und ich denke, wirkliche Freunde hattest Du nur ganz wenige. Aber uns hat schon all die Jahre etwas miteinander verbunden; durch meine langjährige Organisation des Westernplatzes auf der „Pferd International“ versuchten wir beide, den Menschen pferdegerechtes Reiten näher zu bringen. Wir waren beide sehr ernsthaft daran interessiert den Reitern zu erklären, dass sie doch alle nur ein Pferd reiten, egal welche Rasse, es funktioniert immer gleich. Und gutes Reiten gibt es immer, es kann auf jeder Rasse und mit jeder Reitweise funktionieren.

 

Wir hatten einen regen Brief- und Mailkontakt, der manchmal abbrach, weil auf Deiner „Kiste“ wie Du den Laptop nanntest, mal wieder ein Virus war und nichts mehr ging. Dann rief ich Dich ab und zu an und wenn Du meine Nummer sahst, mich immer mit einem „Hallo Gabi, wie geht`s?“ begrüßt hast, ohne vorher Deinen Namen zu nennen. So warst Du eben, nach außen hin zu jedem freundlich, auch wenn Dir oft im inneren nicht danach war. Du hast Dich bei mir ausgeweint, weil Du ein feines Stütchen den falschen Leuten mit zu viel Geld verkauft hattest. Oder Du bist vor dem abendlichen Essen mit den Kursteilnehmern geflüchtet, mit den 2 Hunden und ein paar Freunden in meinem VW-Bus ohne Sitze auf dem Boden kauernd. Und so ist es auch zu verstehen, dass Du in ganz Deutschland Deine Rückzugsstationen hattest, bei Menschen bei denen Du ein paar ruhige Tage verbringen konntest, und Dich nicht über Stops und Rollbacks unterhalten musstest.

 

Aber so bekannt Du auch warst, als VIP immer umringt von so vielen, die glaubten, sie hätten mit ihrem Kursplatz auch den Menschen gebucht, so unkompliziert warst Du, wenn man mit Dir zusammengearbeitet hat. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich Dir den Vorschlag des Pferdetausches machte, kam umgehend die Zusage, obwohl zu diesem Zeitpunkt der Dressurreiter noch nicht feststand. In der kurzen internen Vorbesprechung mit Isabel Werth zeigtest Du Dich von Deiner galantesten Seite und man merkte Dir an, dass Du durchaus ehrfürchtig zur vielfachen Welt-, Europameisterin und Olympiasiegerin aufgeschaut hast. Du wusstest Dich eben einzuordnen. Demut - diese Eigenschaft hat man – oder auch nicht. Meine Güte, wie sehr fehlt sie so vielen jungen Trainern oder die sich dafür halten.

 

Aber ich bin überzeugt, dass Du mit Okie über die ewigen Jagdgründe galoppierst, kopfschüttelnd, was heutzutage mit Pferden so alles angestellt wird. Du hast ein Leben lang dafür gekämpft, etwas zu verbessern, bei der Ausbildung, beim Reiten und dem Umgang mit dieser schönen Kreatur. Und dass Du etwas bei mir und in mir bewirkt hast, wurde mir in der Autofahrt bewusst, die Nicole hier so schön beschrieben hast. Machs gut da oben und bis ich komme, garantiere ich Dir, habe ich das Sitzen im Galopp wirklich erlernt.

 

Gabi Schürmann im August 2014

Gabi Schürmann im August 2014

Gabi Schürmann - Jean-Claude Dysli - Manne Lesjak Pferd International 2011 - München Riem

Jean-Claude Dysli - Pferd International 2011

Gabi Schürmann bei der Arbeit

Gabi Schürmann bei der Arbeit

Eine kleine Umarmung und Dankeschön für Ihren unermüdlichen Einsatz

für die Westernabteilung

Pferd International 2014

 

Dieses mal leider ohne Jean-Claude Dysli

Jean-Claude Dysli - Okie Isma Dad

und Manne Lesjak bei einem kleinen Plausch.

Pferd International 2011 in München

©

multimediadesign - Marjan Lesjak

HORSEMENSCORNER-TV

www.horsemenscorner.de

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